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Value Investing: unter dem inneren Wert kaufen

Value-Investoren kaufen unter dem geschätzten inneren Wert und lassen eine Sicherheitsmarge. Fünf Ansätze, von Graham bis zur Geduld.

Was ist Value Investing?

Value Investing wählt Aktien, die unter dem geschätzten inneren Wert des Unternehmens gehandelt werden.

Die Annahme: der Markt übertreibt gute und schlechte Nachrichten, der Kurs löst sich zeitweise von den Fundamentaldaten, und der Abstand schließt sich später. Ob er sich schließt, ist nicht garantiert.

Value Investing im Detail

Typische Suche: niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis, niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis oder eine höhere Dividendenrendite, jeweils gemessen an der eigenen Schätzung des inneren Werts.

Zwei Leute mit denselben Berichten kommen auf verschiedene Werte. Deshalb gehört die Sicherheitsmarge dazu: der Kauf braucht einen Abstand, der einen Schätzfehler aushält. Manche schauen nur auf Vermögen und heutige Gewinne, andere auf künftige Zahlungsströme. Warren Buffett und Peter Lynch haben diese Suche bekannt gemacht. Ein Value-ETF macht daraus einen Index, keine eigene Rechnung.

Die Fundamentalanalyse

Die Schätzung kommt aus dem Jahresabschluss: Gewinn, Bilanz und Kapitalfluss, nicht aus einer Linie im Chart.

Ein Beispiel für eine Value-Investment

Am 4. Mai 2016 legte Fitbit die Zahlen für das erste Quartal vor. Der Umsatz lag bei 505,4 Millionen US-Dollar, mehr als 50 Prozent über dem Vorjahresquartal. Die Spanne für das zweite Quartal, 565 bis 585 Millionen, lag über den damals genannten Analystenschätzungen von 531 Millionen. Trotzdem verlor die Aktie im nachbörslichen Handel fast 19 Prozent, weil der Gewinn je Aktie durch höhere Forschungsausgaben sank.

Ein Value-Investor hätte gefragt, ob der niedrigere Gewinn die Firma billiger macht als sie ist. Das Beispiel zeigt die Reaktion, nicht dass der spätere Kurs die These bestätigt hätte.

So werden Sie zum Value Investor

Die Methode braucht Geduld und das Lesen von Berichten, kein teures Signal-Abo und keine Chartmuster.

Ansatz 1: Unternehmen haben einen intrinsischen Wert

Der Kurs kann sich ändern, ohne dass sich das Geschäft ändert, so wie ein Fernseher im Angebot derselbe Fernseher bleibt.

Aktien haben keinen festen Rabatttag. Wer den Abstand finden will, muss die Berichte lesen, bevor es alle anderen tun.

Ansatz 2: Immer eine Sicherheitsmarge

Graham kaufte nur zu höchstens zwei Dritteln seiner Schätzung. Bei 100 Euro innerem Wert und 66 Euro Kurs sind 34 Euro Abstand. Steigt der Kurs später auf 100 Euro, stammt der Gewinn aus dem Schließen der Lücke, nicht aus Wachstum.

Innerer WertKursSicherheitsmarge
100 €66 €34 €
84 €34 €50 €
175 €75 €100 €

Die dritte Zeile der alten Tabelle war unvollständig; die Marge ist hier innerer Wert minus Kurs.

Ansatz 3: Die Effizienzmarkthypothese ist falsch

Value-Investoren bestreiten, dass der Kurs jederzeit alle Informationen enthält. In der Finanzkrise 2008 wurden viele Firmen panisch verkauft, in der Dotcom-Blase um 2000 wurden unbewiesene Geschäftsmodelle teuer bezahlt.

Ansatz 4: Erfolgreiche Investoren folgen nicht der Herde

Gekauft wird, was die Zahlen hergeben, auch wenn der Name unbekannt ist. Beliebte Titel sind oft schon teuer. Bekannte Firmen werden interessant, wenn der Kurs fällt und die Bilanz hält.

Ansatz 5: Investieren erfordert Fleiß und Geduld

Ein Kauf bei 66 Euro am Dienstag ist kein Verkauf bei 100 Euro am Donnerstag. Bis der Kurs zur Schätzung aufschließt, können Jahre vergehen. Liegt eine Firma über der eigenen Obergrenze, bleibt sie auf der Liste und wird nicht trotzdem gekauft.

Häufige Fragen

Was ist die Sicherheitsmarge?

Benjamin Graham kaufte nur, wenn der Kurs bei höchstens zwei Dritteln seiner Wertschätzung lag. Der Abstand zum geschätzten Wert ist die Sicherheitsmarge für Schätzfehler.

Stand: · Quellen: Benjamin Graham: The Intelligent Investor